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HEIMATVEREIN SENDEN E.V.
ARCHÄOLOGISCHER ARBEITSKREIS
Bericht über
"Archäologische Beobachtungen
im alten Dorf Senden"
1975 - 2002
Senden, im Februar 2002
© Joachim Klein
Inhalt:
1. Vorbemerkung
2. Archäologische Berichte aus dem Sendener Kerngebiet
3. Weitere Beobachtungs- und Fundstellen im alten Dorfbereich Senden
4. Potenzielle Stellen für archäologische Beobachtungen
5. Resümee
6. Anmerkungen
1. Vorbemerkung
Die Ortskernsanierung von Senden während der 1960er bis 1980er Jahre war mit umfangreichen
Erdbewegungen und Baumaßnahmen verbunden. Dazu kam die Regulierung der Stever von Olfen bis
Senden in den Jahren 1965 bis 1979 ( siehe auch Verwaltungsbericht der Gemeinde Senden
1970/74, S. 72 ). Für das erweiterte oder begradigte Flussbett mussten ebenfalls erhebliche
Erdmassen bewegt werden. Im Dorfbereich erfolgten die Regulierungsarbeiten vor allem in den
Jahren 1975/76. Während der Maßnahmen bot sich die Gelegenheit, neues archäologisches Wissen
über die geschichtliche Entwicklung des Dorfes zu gewinnen. Möglich waren vereinzelte
Einblicke, die Zugang zu Bereichen boten, welche sonst nicht erkannt werden. Unterirdische
Überlieferungen bieten aber nur dauerhafte Objekte wie Keramik und Steine, bei guten
Erhaltungsbedingungen auch Holz und Metall.
Die Erkenntnisse des Verfassers resultieren aus der Arbeit mit dem "Archäologischen
Arbeitskreis" im Heimatverein Senden und aus Einzelaktionen. Mit diesem Bericht sollen alle
Einblicke und Fundstellen übersichtlich dargestellt und festgehalten werden. Sofern für die
Objekte kein Grabungsbericht oder keine Publikation in den Geschichtsblättern des Kreises
Coesfeld vorliegen, werden sie unter Abschnitt 3. erläutert.
Die Beschreibung der Fund- und Beobachtungsstellenstellen erfolgt sowohl für den engeren
( Dorfbebauung nach dem Urkataster von 1826 ) als auch für den erweiterten ( heutiges
Ortsgebiet ) Dorfbereich. Das Erscheinungsbild des Dorfgebietes nimmt heute zunehmend
städtischen Charakter an.
Sicherlich sind nicht alle zutage getretenen archäologischen Spuren erkannt und registriert
worden. Beobachtungen durch Mitglieder des "Archäologischen Arbeitskreises" konnten meistens
nur im Anschluss an die üblichen beruflichen Arbeitszeiten erfolgen. Fundmeldungen durch
Dritte kamen vor, erfolgten aber wohl nicht in jedem Fall. Auch sind häufig bei maschinellen
Bodenabträgen archäologische Objekte nur schwer auszumachen. Im Abschnitt 4. wird auf Stellen
hingewiesen, die bei zukünftigen Baumaßnahmen unbedingt beobachtet werden sollten.
Wahrscheinlich ist dies noch eine Aufgabe der nächsten Generationen.
Über die rein archäologischen Sondierungen hinaus wurden nach Möglichkeit auch alle Geo -
Faktoren festgehalten.
Im Plan der vorstehenden Abbildung 1 ist die Lage der Beobachtungs-, Fund- und
Grabungsstellen im alten Dorfbereich anhand einer aktuellen Karte festgehalten.
2. Archäologische Berichte aus dem Sendener Kerngebiet
Archäologische Publikationen aus dem Bereich des heutigen bebauten Ortsgebietes Senden
liegen von folgenden Plätzen vor:
- Baustelle für das Pfarrheim mit früh- und hochmittelalterlicher Keramik und Pfostenspuren.
In: Grabungsbericht und Geschichtsblätter des Kreises Coesfeld ( 1981 )1.
- Wüstung Haus Rorup mit hoch- und spätmittelalterlicher Keramik sowie neuzeitlichem
Fundgut und Baurelikten aus Holz und Ziegeln. In: Grabungsbericht, Geschäftsbericht
des Heimatvereins 1973/77 und Geschichtsblätter des Kreises Coesfeld ( 1983 )2.
- Wüstung Ravenuhle ( Wortkämpe ) mit früh- hoch- und spätmittelalterlicher Keramik und
Baurelikten aus Holz. In: Grabungsbericht 3.
- Schlossfeld mit früh- und hochmittelalterlicher Keramik, Pfostenspuren und Brunnenteilen
aus Holz. In: Geschichtsblätter des Kreises Coesfeld ( 1995 )4.
- Baustelle im Bereich der ehemaligen Brennerei Palz mit hoch- und spätmittelalterlicher
Keramik und Pfostenspuren. In: Grabungsbericht 5.
- Standort des Galgens in Senden. In: Geschichtsblätter des Kreises Coesfeld ( 2000 ) 6.
- Darstellung diverser archäologischer Fundstellen in Senden. In: Festschrift des
Heimatvereins Senden ( 1998 ) 7.
3. Weitere Beobachtungs- und Fundstellen im alten Dorfbereich Senden
Die größeren Sondierungs- und Grabungsstellen sind mit den vorstehend genannten Publikationen
veröffentlicht und nach derzeitigem Kenntnisstand ausgewertet worden. Ergänzende, wenn auch
bruchstückhafte Informationen zur Entstehung des Dorfes und zu den Lebensbedingungen der
Bevölkerung bieten auch die kleineren Fund- und Sondierungsplätze.
Granitsteinkugel mit 6 cm Durchmesser ( Abb. 2 ). Sie fand sich 1975/76 in der
Schliekhege im Lehm während der Bauzeit des Hauses Nr. 43. Es kann eine Kanonenkugel sein ( Abb. 2 ).
Abb. 2: Steinkugel aus Granit, Fundstelle Schliekhege
Geweihstück vom Rothirsch ( cerous elaphus ), Länge 54 cm, Durchmesser über den Rosen
ca. 6 cm 8. Das Geweih wurde von einem Sendener während des Steverausbaues 1976 in der Nähe
der Brücke am heutigen Busbahnhof entdeckt. Das Alter des Fundstücks ist unbestimmt, es kann
500 Jahre alt sein, aber auch mehrere tausend Jahre und auch aus der letzten Eiszeit stammen.
Kugeltopfrand aus dem 11/12 Jh., graubraun und mit grobem Quarzbruch gemagert
9 ( Abb. 3 ). Es ist ein Lesefund aus der Baugrube eines Anbaues der heutigen
Realschule ( 1981 ). Dieser erfolgte im Bereich eines ehemaligen Steverlaufes, der in den
1930er Jahren umgelegt wurde.
Abb. 3: Kugeltopfscherbe ( 11/12. Jh. ) aus der Baugrube für einen Anbau der
Realschule
Wasserleitung aus einem Eichenstamm. Bei Ausschachtungsarbeiten am Pastoratsgebäude
stieß man 1981 etwa in 70 cm Tiefe auf eine Wasserleitung aus Holz. Ein entferntes
Leitungsstück besteht aus einem roh bearbeiteten Eichenstamm, der in seinem Inneren eine
Öffnung von ca. 6 cm hat. Am Ende ist das Stück mit einem Holzstopfen abgedichtet. Zur
Vermeidung einer Aufsplitterung hat man um den Stamm einen Eisenring von 2 cm Breite
gelegt 10 ( Abb. 4 ).
Der Beginn der Holzleitung liegt im Pastoratsgebäude und ist offensichtlich mit einem
Brunnen in Verbindung zu bringen. Die Holzleitung war mit Gefälle vom Wohnhaus zum
Wirtschaftsgebäude verlegt. Hinter dem Pastorats-Wohnhaus stand bis Anfang der 1980er Jahre
ein Wirtschaftsgebäude. Die Wasserversorgung erfolgte wohl vom Brunnen im Wohnhauskeller.
Kugeltopfscherben und Teile eines Kastenbrunnens aus Holz. Bei Beobachtung der im Jahr
1982 ausgeschachteten Baugrube für ein Betriebsgebäude des Geschäftshauses Brox waren in der
östlich gelegenen Wand dunkle Verfärbungen zu sehen. Eine Untersuchung ergab Profile von
Gräben oder Senken. Sie endeten bei einer Tiefe von 240 bis 260 cm. In den Senken war der
Boden dunkler als bei dem anstehenden gelben Sand. Auf den Sohlen befand sich stark humoses
Erdreich.
Im Profil der Senke I lag unten ein größerer Kugeltopfrand, darüber fanden sich
weitere kleine Scherben. Die Senke II zeigte sich ebenfalls mit abgegrenzten Schichten.
Hier waren auch einige Wandscherben von Kugeltöpfen zu entdecken. Die Keramik wird vom
Westfälischen Museum für Archäologie in das 9. bis 10. Jahrhundert datiert 11
( Abbildungen 5, 6, 7, 8 ).
Abb. 5: Frühmittelalterliche Kugeltopfscherben
Abb. 7: Grabenprofil in der Baugrube, Senke I
Abb. 8: Grabenprofil in derBaugrube,Senke II
Bemerkenswert sind Holzteile, die in der Süd-Ost-Ecke der Baugrube zum Vorschein kamen.
Nach Aussagen des Baggerführers sollen sich noch Reste der eckigen Holzkonstruktion im Boden
befinden.
Die Oberfläche der geborgenen Eichenholzteile ist glatt bearbeitet. Das Holz befand sich in
der Nähe der Senke II.
Nach einer Beurteilung von M. A. Finke ( Museum f. Archäologie ) handelt es sich um Teile
eines frühmittelalterlichen Kastenbrunnen. Ob die Senken mit dem Brunnen in Verbindung zu
bringen sind oder ob diese zu einem Graben um eine Ansiedlung gehören, muss offen bleiben.
Unterirdische Spuren in der katholischen Kirche St. Laurentius. Für den Bau eines
Heizungskellers waren 1982 Ausschachtungsarbeiten in der Kirche erforderlich geworden.
Während einer Besichtigung der Baugrube in der Sakristei zeigte sich im Bodenprofil unter dem
Kirchenflur bis zu einer Tiefe von ca. 190 cm, dunkler, humoser Boden, in dem Gebeine zu
erkennen waren. Ebenfalls zeigten sich schwache Konturen von Särgen im Bodenprofil. Unter
dunklem Boden war anstehender gelber Lehm und darunter grau/blauer toniger Boden zu sehen.
Keramik oder Holzteile konnten nicht entdeckt werden. Nach Aussagen des Architekten und der
Bauarbeiter lagen auch im Bodenaushub keine Holzreste. Im Profil der Baugrubenwand befand
sich außerdem eine Steinplatte aus Kalksandstein. Nach dem Abkratzen von Erde um diese Platte
zeigten sich auf etwa 100 cm Länge eine Lage bearbeiteter Sandsteine und darunter eine weitere
Lage unbearbeiteter Granitsteine. Lage und Abmessungen sind der angefertigten Skizze zu
entnehmen ( Abbildungen 9, 10, 11 ).
Nach Aussagen von Frau Dr. Isenberg, Westfälisches Museum für Archäologie, sind die Steine
wahrscheinlich das Fundament eines spätgotischen Strebepfeilers der um 1500 12
errichteten und um 1870 abgebrochenen Kirche. Das Material kann aber auch von einem weiteren
Vorgängerbau stammen (1187 Kirche St. Laurentius errichtet, um 1050 Kirchengründung), dafür
sprechen die Spuren von Gebeinen über der Steinsetzung.
Bei den Ausschachtungsarbeiten für die Heizungsrohre bis ca. 70 cm unter dem heutigen
Kirchenfußboden, kamen im Dezember 1982 Mauerrelikte der spätgotischen Kirche zum Vorschein.
Es war ein Mauerwerk aus Kalksandsteinen, darunter befanden sich größere Granitsteine, die
als Fundamente ausgelegt waren.
Abb. 10: Vorderansicht des Steinfundamentes
Abb. 11: Seitenansicht des Steinfundamentes
Pumpenansaugrohr aus einen Eichenstamm. Beim 1983 erfolgten Abbruch der alten
Gastwirtschaft Busche in der Mühlenstraße entdeckte der Baggerfahrer einen achteckig
zugearbeiteten Holzstamm mit ca. 30 cm Durchmesser und einer inneren Öffnung von ca. 7 cm
Durchmesser. Vollständig erhalten ist noch eine Länge des Pumpenrohres von 238 cm. An einer
Stelle waren von vier Seiten Bohrungen von 4 cm Durchmesser senkrecht in den Stamm
eingebracht, sie reichten bis zur Längsbohrung. Ein Vergleich mit ausgestellten Holzpumpen in
Museen bestätigt, dass es sich bei dem hier beschriebenen Objekt um ein Pumpenansaugrohr
handelt ( Abbildungen 12, 13 ).
Abb. 13: Pumpenansaugrohr aus dem Boden unter der abgerissenen Gastwirtschaft Busche
Baumstämme im Seitenprofil einer Baugrube. Während einer im Mai 1984 erfolgten
Baustellenbeobachtung an der Münsterstraße ( gegenüber dem Haus Lammert ) waren Baumstämme in
einer dunklen humosen Bodenschicht zu sehen. Die Stämme lagen etwa 200 bis 250 cm unter Flur.
Es zeigte sich eine deutliche Schichtenfolge ( von oben ): Kulturboden 80 bis 100 cm, heller
Sand 60 cm, humoser Boden mit Sandeinschwemmungen und Baumstämmen 50 cm, darunter blaugrauer
Boden im Grundwasserbereich ( Abbildungen 14, 15 ).
Auf Anfrage ist zu den Baumstämmen vom Geologischen Landesamt Nordrhein-Westfalen in Krefeld
u. a. folgendes mitgeteilt worden ( Dr. Staude ): "Mit hoher Wahrscheinlichkeit hat die
Baugrube eine holozäne Talauenablagerung erschlossen, die als junge warmzeitliche Bildung
maximal 10 000 Jahre alt sein kann" 13.
Abb. 14: Baumstämme in dunkler Bodenschicht einer Baugrube an der Münsterstraße,
Blick nach Westen
Abb. 15: Profil einer Baugrube an der Münsterstraße, unterschiedliche Bodenschichten
setzen sich deutlich voneinander ab, in der unteren dunklen Bodenschicht befinden sich
Baumstämme, Blick nach Süden
Pfahlstümpfe im Seitenprofil einer Baugrube. Bei einer 1990 erfolgten Baustellenbeobachtung
an der Münsterstraße ( gegenüber Haus Reher, Urkatasterparzellen 182/183 ) zeigten sich u. a.
Pfahlstümpfe mit 5 bis 10 cm Durchmesser in einer dunklen humosen Bodenschicht. Über der
Schicht befand sich Ziegelschutt. An der Stelle ist ein Dorfgraben zu vermuten ( Abb. 16 ).
Nach einer Beurteilung des Westfälischen Museums für Archäologie ( Dr. Ellger ) macht hier
aber die weitgehende Störung eine einwandfreie Feststellung eines Grabens mit archäologischen
Mitteln unmöglich 14.
Abb. 16: Pfahlstümpfe in der dunklen Bodenschicht einer Baugrube an der
Münsterstraße, darüber starke Störung, Blick nach Süden
Rottonige Scherben waren 1991 in einer Baugrube für die Erweiterung des Altenheims zu
entdecken. Sie stammen von Grapen und anderen Gefäßen und sind in den Anfang der Neuzeit zu
datieren ( etwa 1500 bis 1700 ). Offensichtlich kommt das Material aus alten, nördlich bzw.
westlich der Baustelle gelegenen Häusern.
Münzen. Von einigen Stellen des Kirchspiels liegen Meldungen über Münzfunde vor.
Ein Schwerpunkt der Fundstellen befindet sich in den Pastorats- und Droste- Gärten. Die
Münzjahre der zufälligen Einzelfunde liegen zwischen 1606 und 1840 15. Das
Domkapitel ist als Münzstätte am häufigsten vertreten.
Wappen aus dem Vikarienhaus "Castrum Schonebeck". Der Wappenstein des Domherrn von
Hake und Gründers der Vikarie St. Katharina auf Große Schonebeck befand sich bis zum Zweiten
Weltkrieg im Kötterhaus Eidhoff auf dem ehemaligen Platz der Vikarie. Als Gründungsjahr der
Vikarie wird 1528 genannt. Der Wappenstein wurde nach Angaben von Bewohnern der ehemaligen
Vikarie in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, spätestens aber 1940, auf Veranlassung von
Pfarrer Lücke in das Dorf Senden gebracht 16 und kam in das Wirtschaftsgebäude
des Pastorats. Nach Abbruch des Wirtschaftsgebäudes Anfang der 1980er Jahre gelangte der
Stein in das Haus des Freiherrn Droste zu Senden ( Holtrup Nr. 7 ).
Auf den Stein sind zwei Wappen dargestellt. Ein Wappen beinhaltet u. a. einen vierlätzigen
Turnierkragen ( im Wappenbuch des Westfälischen Adels von Max v. Spießen als Brücke
bezeichnet ). Die Ritter von Sendene ( Senden ) führten ebenfalls einen solchen Turnierkragen
( Brücke ) als Wappen. Eine Verwechslung ist daher leicht möglich.
Auf Haus Große Schonebeck hat der münstersche Domdechant Heinrich von Hake, der die Burg
lebenszeitlich als Pfründe innehatte, eine Kapelle gestiftet. Seine Familie führte als Wappen
einen goldenen Schild mit einem schwarzen Kreuz. Auf dem Stein ist neben diesem Wappen mit
dem goldenen Schild auch das Wappen des Geschlechtes Morien mit dem vierlätzigen
Turnierkragen (Brücke, vgl. Spießen) platziert ( Abb.17 ). Der Vater des Stifters war mit
Adelheid von Morien verheiratet 17 . Es handelt sich um ein Allianzwappen.
Abb. 17: Eine Hälfte des Wappensteins aus der Vikarie St. Katharina auf Große
Schonebeck ( Wappen Morien, Nordkirchen )
Nach dem Tode Heinrichs von Hake ( 1537 ) kamen seine Pfründe Große Schonebeck über den
Domkapitular Sander von Morien um 1552 an den Domkapitular Balthasar von Büren. Der
Wappenstein Hake-Morien stammt somit offensichtlich aus der ersten Hälfte des 16.
Jahrhunderts.
Türangelstein. Außerhalb des Dorfes fand sich auf dem Hof Schulze Messing ein
Türangelstein aus Granit 18. Er diente als Unterlage für einen senkrecht stehenden
Balken der sich beim Öffnen oder Schließen einer Tür bewegte. Ein solches System war
sicherlich auch in Häusern im Dorf anzutreffen.
Galgen. Im Zusammenhang mit dem Dorf ist auch der Platz des Galgens zu nennen. Der
Standort konnte aus Unterlagen der Gemeinheitsteilung Ventruper-Heide mit der Unterabteilung
Mönking-Heide genau bestimmt werden. Er befindet sich mit der Bezeichnung "Galgenknapp"
unmittelbar nördlich der alten Gaststätte Scheipers, Haus Nr. 26 ( heute Unger ) an der
früheren Landstraße Nr. 6 ( heute B 235 ). Die Entfernung bis zur Kirche im Dorf beträgt
etwa 2 000 Meter. Das Gelände ist einplaniert und wird als Acker genutzt. Eine archäologische
Feldbegehung im Frühjahr 2000 verlief ohne besondere Aufschlüsse 19.
Möglicherweise gab es weitere Richtstätten in der Dorfumgebung. In der Nähe des Hofes Schulze
Austrup ( Ostendorp ) ist im Urkataster von 1826 eine Parzelle "Hügel" ausgewiesen 20.
Ob auf dem Hügel ein Galgen stand ist wohl nicht mehr auszumachen. Die Umgebung des Hofes
ist durch den Kanalbau stark gestört.
4. Potenzielle Stellen für archäologische Beobachtungen
Weitere archäologische Untersuchungen im alten Dorfbereich können noch eine Aufgabe
nachfolgender Generationen sein. Aus heutiger Sicht bedürfen vor allem folgende Plätze einer
besonderen Aufmerksamkeit.
- Der noch weitgehend unbebaute Bereich unmittelbar östlich des Grundstücks vom
Geschäftshaus Brox. Mindestens ein Graben kann hier noch weiter verfolgt werden.
( Flur 24, Flurstück 30 )
- Der Bereich um das VHS - Gebäude ( ehemalige Gemeindeverwaltung ) und um die Turnhalle
( Flur 24, Flurstück 1791 ).
- Der Bereich Pfarrzentrum. Unter dem Pfarrheim sind Spuren von Pfosten und Gräben erhalten
geblieben ( Flur 24, Flurstück 1774 ).
- Unbebaute Bereiche um die Brennerei Palz einschließlich des Wohngebäudes ( Flur 24,
Flurstücke 1767, 1768 und 1522 ).
- Der Bereich um die Biete ( Flur 24, Flurstück 1831 ).
5. Resümee
Eine kontinuierliche Besiedlung des alten Dorfkernes von Senden ist archäologisch seit dem
frühen Mittelalter nachzuweisen. Von einem Dorf kann wohl zu der Zeit noch nicht gesprochen
werden. Die von Tibus in seiner Gründungsgeschichte genannte "Curtis Sendene" stand auf dem
Platz der heutigen katholischen Kirche21. Spuren dieses Haupthofes waren 1978/79 während
einer Grabung am Pfarrheim zu entdecken. Nach dem Alter des Keramik-Fundgutes existierte
hier etwa ab 700 nach Chr. ein Hof. Es muss demnach ein Sachsenhof gewesen sein.
Offensichtlich gab es zur Zeit des frühen Mittelalteralters im Dorfbereich noch weitere
Ansiedlungen ( Höfe / Wohnplätze), dies ergibt sich u. a. aus den Keramikfunden auf der
Baustelle für das Betriebsgebäude Brox.
Die ersten schriftlichen Hinweise auf Senden tauchen um 890 in einem Urbar des Klosters
Werden auf. Die Kirchengründung durch den Bischof in Münster erfolgte aber später und wird
für die Jahre um 1050 angesetzt 22. Erst nach der Kirchengründung entwickelte sich
mit der Ansiedlung sogenannter "Wörtner" ein Dorf. 1545 zählte man 21 Wortstätten 23.
Der Einfluss des Adels auf die Dorfentwicklung ist archäologisch schwer zu fassen.
Unmittelbar südlich des Dümmers befand sich im hohen Mittelalter die Burg der Ritter von
Sendene ( vgl. Grabungsbericht Palz ). Später wurde der Sitz nach Haus Bennekamp, dem
heutigen Schloss verlegt. Um 1400 übernahm das Geschlecht Droste ( später Droste zu Senden )
den Besitz. Die Freiherren Droste zu Senden haben sowohl als Grundherren als auch mit ihren
Verbindungen zum Bischof und zur örtlichen Kirche das Geschehen im Dorf mitbestimmt. Über
die Einwirkungen der Herren von Rorup auf das Dorf ist kaum etwas bekannt. Ihre Burg befand
sich am Westufer der Stever ( vgl. Grabungsbericht Haus Rorup ).
Bemerkenswert ist der Standort der Kirche. Die Kirche St. Laurentius am Dümmer mit den
anschließenden Wohnstätten befindet sich genau in der Mitte des Kirchspiels mit den gerodeten
Ländereien, Weiden und Wäldern. Offensichtlich hat man die der Pfarre Senden zugeordneten
Bauerschaften so abgegrenzt, dass eine zentrale Lage des Kirchengebäudes entstand. Im späten
Mittelalter wurde der Flächenkomplex des Kirchspiels mit Landwehren umschlossen. Stellenweise
sind die Wälle heute noch erhalten.
Wald lieferte für die Bevölkerung des Mittelalters u. a. den besonders sehr wichtigen
Rohstoff Holz, vor allem für bauliche Anlagen. Genannt seien hier die entdeckten
Pfostenhäuser, Brunneneinfassungen und Wasserleitungen.
6. Anmerkungen:
- Klein, Joachim: Alte Siedlungsspuren im Ortskern von Senden. In: Geschichtsblätter des Kreises Coesfeld, 6. Jg. 1981.
- Klein, Joachim: Archäologische Beobachtungen zur Baugeschichte von Haus Rorup in Senden. In: Geschichtsblätter des Kreises Coesfeld, 8. Jg. 1983.
- Heimatverein Senden e.V. - Archäologischer Arbeitskreis: Bericht über die Grabung "Wortkämpe" ( Ravenuhle ) in Senden. Senden 1988 / 89.
- Schellhas, Uwe: Eine hochmittelalterliche Hofwüstung im Neubaugebiet "Schlossfeld", Gemeinde Senden - Zum Stand der archäologischen Ausgrabungen im Februar 1995. Winkler, Stephan: Die Ausgrabung der mittelalterlichen Hofwüstung im Neubaugebiet "Schlossfeld" in Senden - Die Schlussphase Februar bis August 1995. In: Geschichtsblätter des Kreises Coesfeld, 20. Jg. 1995.
- Heimatverein Senden e.V. - Archäologischer Arbeitskreis: Bericht über die Sondierung und Grabung Palz in Senden. Senden April 2001.
- Klein, Joachim: Der Galgen in Senden. In: Geschichtsblätter des Kreises Coesfeld, 25. Jg. 2000.
- Heimatverein Senden e.V. ( Hrsg. ): 50 Jahre Heimatverein Senden. Senden 1998.
- Paläontologisches Museum in Münster. Beschreibung durch einen Mitarbeiter des Institutes, 1975 / 76.
- Westfälisches Museum für Archäologie, Az. 4110, 29 - 2, Münster 1983.
- Lammers: Archäologischer Befund im alten Pastoratsgebäude in Senden, Lette 1981.
- Westfälisches Museum für Archäologie, Az. 4110, 29 - 1, Münster 1983.
- Pfarramt / Pfarrkomitee: Festschrift 100jähriges Kirchenbaujubiläum, Pfarrkirche St. Laurentius in Senden, 1873 - 1973.
- Geologisches Landesamt Nordrhein-Westfalen: Schreiben vom 02.05.1985 ( Dr. Staude ), Krefeld 1985.
- Westfälisches Museum für Archäologie: Schreiben vom 30.01.1991 ( Dr. Ellger), Az. 72/1991, Münster 1991.
- Westfälisches Museum für Kunst- und Kulturgeschichte: Beurteilung Dr. Ilisch.
- Nach mündlicher Auskunft von Bewohnern der ehemaligen Vikarie ( Ahlmer / Eidhoff ), 2001.
- Lückmann, Rudolf: Stiftung St. Katharina auf Große Schonebeck, S. 179 f. In: Freese, Werner und Wermert, Christian ( Red. ). Eine Geschichte der Gemeinde Senden mit Ottmarsbocholt, Bösensell und Venne. Senden 1992.
- Nach mündlicher Auskunft von M. A. Walter Finke.
- Vgl. Nr. 6.
- Urkataster von 1826, Gemeinde Senden, Karte der Flur XV, Potthoff.
- Tibus, Adolph: Gründungsgeschichte der Stifte, Pfarrkirchen, Klöster und Kapellen im Bereich des alten Bistums Münster. Münster 1867.
- Schwieters, Julius: Geschichtliche Nachrichten über den westlichen Theil des Kreises Lüdinghausen, Münster 1891.
- Löffler, Peter: Aus der Ortsgeschichte von Senden, S. 9. In: Vgl. Nr. 12.
Fotos: Joachim Klein
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