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HEIMATVEREIN SENDEN E.V.
ARCHÄOLOGISCHER ARBEITSKREIS



Bericht über

"Archäologische Beobachtungen

im alten Dorf Senden"



1975 - 2002



Senden, im Februar 2002


© Joachim Klein



Inhalt:

1. Vorbemerkung
2. Archäologische Berichte aus dem Sendener Kerngebiet
3. Weitere Beobachtungs- und Fundstellen im alten Dorfbereich Senden
4. Potenzielle Stellen für archäologische Beobachtungen
5. Resümee
6. Anmerkungen

1. Vorbemerkung

Die Ortskernsanierung von Senden während der 1960er bis 1980er Jahre war mit umfangreichen Erdbewegungen und Baumaßnahmen verbunden. Dazu kam die Regulierung der Stever von Olfen bis Senden in den Jahren 1965 bis 1979 ( siehe auch Verwaltungsbericht der Gemeinde Senden 1970/74, S. 72 ). Für das erweiterte oder begradigte Flussbett mussten ebenfalls erhebliche Erdmassen bewegt werden. Im Dorfbereich erfolgten die Regulierungsarbeiten vor allem in den Jahren 1975/76. Während der Maßnahmen bot sich die Gelegenheit, neues archäologisches Wissen über die geschichtliche Entwicklung des Dorfes zu gewinnen. Möglich waren vereinzelte Einblicke, die Zugang zu Bereichen boten, welche sonst nicht erkannt werden. Unterirdische Überlieferungen bieten aber nur dauerhafte Objekte wie Keramik und Steine, bei guten Erhaltungsbedingungen auch Holz und Metall.

Die Erkenntnisse des Verfassers resultieren aus der Arbeit mit dem "Archäologischen Arbeitskreis" im Heimatverein Senden und aus Einzelaktionen. Mit diesem Bericht sollen alle Einblicke und Fundstellen übersichtlich dargestellt und festgehalten werden. Sofern für die Objekte kein Grabungsbericht oder keine Publikation in den Geschichtsblättern des Kreises Coesfeld vorliegen, werden sie unter Abschnitt 3. erläutert.

Die Beschreibung der Fund- und Beobachtungsstellenstellen erfolgt sowohl für den engeren ( Dorfbebauung nach dem Urkataster von 1826 ) als auch für den erweiterten ( heutiges Ortsgebiet ) Dorfbereich. Das Erscheinungsbild des Dorfgebietes nimmt heute zunehmend städtischen Charakter an.

Sicherlich sind nicht alle zutage getretenen archäologischen Spuren erkannt und registriert worden. Beobachtungen durch Mitglieder des "Archäologischen Arbeitskreises" konnten meistens nur im Anschluss an die üblichen beruflichen Arbeitszeiten erfolgen. Fundmeldungen durch Dritte kamen vor, erfolgten aber wohl nicht in jedem Fall. Auch sind häufig bei maschinellen Bodenabträgen archäologische Objekte nur schwer auszumachen. Im Abschnitt 4. wird auf Stellen hingewiesen, die bei zukünftigen Baumaßnahmen unbedingt beobachtet werden sollten. Wahrscheinlich ist dies noch eine Aufgabe der nächsten Generationen.

Über die rein archäologischen Sondierungen hinaus wurden nach Möglichkeit auch alle Geo - Faktoren festgehalten.

Im Plan der vorstehenden Abbildung 1 ist die Lage der Beobachtungs-, Fund- und Grabungsstellen im alten Dorfbereich anhand einer aktuellen Karte festgehalten.


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2. Archäologische Berichte aus dem Sendener Kerngebiet

Archäologische Publikationen aus dem Bereich des heutigen bebauten Ortsgebietes Senden liegen von folgenden Plätzen vor:
  1. Baustelle für das Pfarrheim mit früh- und hochmittelalterlicher Keramik und Pfostenspuren. In: Grabungsbericht und Geschichtsblätter des Kreises Coesfeld ( 1981 )1.
  2. Wüstung Haus Rorup mit hoch- und spätmittelalterlicher Keramik sowie neuzeitlichem Fundgut und Baurelikten aus Holz und Ziegeln. In: Grabungsbericht, Geschäftsbericht des Heimatvereins 1973/77 und Geschichtsblätter des Kreises Coesfeld ( 1983 )2.
  3. Wüstung Ravenuhle ( Wortkämpe ) mit früh- hoch- und spätmittelalterlicher Keramik und Baurelikten aus Holz. In: Grabungsbericht 3.
  4. Schlossfeld mit früh- und hochmittelalterlicher Keramik, Pfostenspuren und Brunnenteilen aus Holz. In: Geschichtsblätter des Kreises Coesfeld ( 1995 )4.
  5. Baustelle im Bereich der ehemaligen Brennerei Palz mit hoch- und spätmittelalterlicher Keramik und Pfostenspuren. In: Grabungsbericht 5.
  6. Standort des Galgens in Senden. In: Geschichtsblätter des Kreises Coesfeld ( 2000 ) 6.
  7. Darstellung diverser archäologischer Fundstellen in Senden. In: Festschrift des Heimatvereins Senden ( 1998 ) 7.



3. Weitere Beobachtungs- und Fundstellen im alten Dorfbereich Senden

Die größeren Sondierungs- und Grabungsstellen sind mit den vorstehend genannten Publikationen veröffentlicht und nach derzeitigem Kenntnisstand ausgewertet worden. Ergänzende, wenn auch bruchstückhafte Informationen zur Entstehung des Dorfes und zu den Lebensbedingungen der Bevölkerung bieten auch die kleineren Fund- und Sondierungsplätze.
Granitsteinkugel mit 6 cm Durchmesser ( Abb. 2 ). Sie fand sich 1975/76 in der Schliekhege im Lehm während der Bauzeit des Hauses Nr. 43. Es kann eine Kanonenkugel sein ( Abb. 2 ).




Abb. 2: Steinkugel aus Granit, Fundstelle Schliekhege

Geweihstück vom Rothirsch ( cerous elaphus ), Länge 54 cm, Durchmesser über den Rosen ca. 6 cm 8. Das Geweih wurde von einem Sendener während des Steverausbaues 1976 in der Nähe der Brücke am heutigen Busbahnhof entdeckt. Das Alter des Fundstücks ist unbestimmt, es kann 500 Jahre alt sein, aber auch mehrere tausend Jahre und auch aus der letzten Eiszeit stammen.

Kugeltopfrand aus dem 11/12 Jh., graubraun und mit grobem Quarzbruch gemagert 9 ( Abb. 3 ). Es ist ein Lesefund aus der Baugrube eines Anbaues der heutigen Realschule ( 1981 ). Dieser erfolgte im Bereich eines ehemaligen Steverlaufes, der in den 1930er Jahren umgelegt wurde.






Abb. 3: Kugeltopfscherbe ( 11/12. Jh. ) aus der Baugrube für einen Anbau der Realschule

Wasserleitung aus einem Eichenstamm. Bei Ausschachtungsarbeiten am Pastoratsgebäude stieß man 1981 etwa in 70 cm Tiefe auf eine Wasserleitung aus Holz. Ein entferntes Leitungsstück besteht aus einem roh bearbeiteten Eichenstamm, der in seinem Inneren eine Öffnung von ca. 6 cm hat. Am Ende ist das Stück mit einem Holzstopfen abgedichtet. Zur Vermeidung einer Aufsplitterung hat man um den Stamm einen Eisenring von 2 cm Breite gelegt 10 ( Abb. 4 ).
Der Beginn der Holzleitung liegt im Pastoratsgebäude und ist offensichtlich mit einem Brunnen in Verbindung zu bringen. Die Holzleitung war mit Gefälle vom Wohnhaus zum Wirtschaftsgebäude verlegt. Hinter dem Pastorats-Wohnhaus stand bis Anfang der 1980er Jahre ein Wirtschaftsgebäude. Die Wasserversorgung erfolgte wohl vom Brunnen im Wohnhauskeller.

Kugeltopfscherben und Teile eines Kastenbrunnens aus Holz. Bei Beobachtung der im Jahr 1982 ausgeschachteten Baugrube für ein Betriebsgebäude des Geschäftshauses Brox waren in der östlich gelegenen Wand dunkle Verfärbungen zu sehen. Eine Untersuchung ergab Profile von Gräben oder Senken. Sie endeten bei einer Tiefe von 240 bis 260 cm. In den Senken war der Boden dunkler als bei dem anstehenden gelben Sand. Auf den Sohlen befand sich stark humoses Erdreich.
Im Profil der Senke I lag unten ein größerer Kugeltopfrand, darüber fanden sich weitere kleine Scherben. Die Senke II zeigte sich ebenfalls mit abgegrenzten Schichten. Hier waren auch einige Wandscherben von Kugeltöpfen zu entdecken. Die Keramik wird vom Westfälischen Museum für Archäologie in das 9. bis 10. Jahrhundert datiert 11 ( Abbildungen 5, 6, 7, 8 ).






Abb. 5: Frühmittelalterliche Kugeltopfscherben




Abb. 7: Grabenprofil in der Baugrube, Senke I




Abb. 8: Grabenprofil in derBaugrube,Senke II

Bemerkenswert sind Holzteile, die in der Süd-Ost-Ecke der Baugrube zum Vorschein kamen. Nach Aussagen des Baggerführers sollen sich noch Reste der eckigen Holzkonstruktion im Boden befinden.
Die Oberfläche der geborgenen Eichenholzteile ist glatt bearbeitet. Das Holz befand sich in der Nähe der Senke II.
Nach einer Beurteilung von M. A. Finke ( Museum f. Archäologie ) handelt es sich um Teile eines frühmittelalterlichen Kastenbrunnen. Ob die Senken mit dem Brunnen in Verbindung zu bringen sind oder ob diese zu einem Graben um eine Ansiedlung gehören, muss offen bleiben.

Unterirdische Spuren in der katholischen Kirche St. Laurentius. Für den Bau eines Heizungskellers waren 1982 Ausschachtungsarbeiten in der Kirche erforderlich geworden. Während einer Besichtigung der Baugrube in der Sakristei zeigte sich im Bodenprofil unter dem Kirchenflur bis zu einer Tiefe von ca. 190 cm, dunkler, humoser Boden, in dem Gebeine zu erkennen waren. Ebenfalls zeigten sich schwache Konturen von Särgen im Bodenprofil. Unter dunklem Boden war anstehender gelber Lehm und darunter grau/blauer toniger Boden zu sehen. Keramik oder Holzteile konnten nicht entdeckt werden. Nach Aussagen des Architekten und der Bauarbeiter lagen auch im Bodenaushub keine Holzreste. Im Profil der Baugrubenwand befand sich außerdem eine Steinplatte aus Kalksandstein. Nach dem Abkratzen von Erde um diese Platte zeigten sich auf etwa 100 cm Länge eine Lage bearbeiteter Sandsteine und darunter eine weitere Lage unbearbeiteter Granitsteine. Lage und Abmessungen sind der angefertigten Skizze zu entnehmen ( Abbildungen 9, 10, 11 ).
Nach Aussagen von Frau Dr. Isenberg, Westfälisches Museum für Archäologie, sind die Steine wahrscheinlich das Fundament eines spätgotischen Strebepfeilers der um 1500 12 errichteten und um 1870 abgebrochenen Kirche. Das Material kann aber auch von einem weiteren Vorgängerbau stammen (1187 Kirche St. Laurentius errichtet, um 1050 Kirchengründung), dafür sprechen die Spuren von Gebeinen über der Steinsetzung.
Bei den Ausschachtungsarbeiten für die Heizungsrohre bis ca. 70 cm unter dem heutigen Kirchenfußboden, kamen im Dezember 1982 Mauerrelikte der spätgotischen Kirche zum Vorschein. Es war ein Mauerwerk aus Kalksandsteinen, darunter befanden sich größere Granitsteine, die als Fundamente ausgelegt waren.






Abb. 10: Vorderansicht des Steinfundamentes








Abb. 11: Seitenansicht des Steinfundamentes







Pumpenansaugrohr aus einen Eichenstamm. Beim 1983 erfolgten Abbruch der alten Gastwirtschaft Busche in der Mühlenstraße entdeckte der Baggerfahrer einen achteckig zugearbeiteten Holzstamm mit ca. 30 cm Durchmesser und einer inneren Öffnung von ca. 7 cm Durchmesser. Vollständig erhalten ist noch eine Länge des Pumpenrohres von 238 cm. An einer Stelle waren von vier Seiten Bohrungen von 4 cm Durchmesser senkrecht in den Stamm eingebracht, sie reichten bis zur Längsbohrung. Ein Vergleich mit ausgestellten Holzpumpen in Museen bestätigt, dass es sich bei dem hier beschriebenen Objekt um ein Pumpenansaugrohr handelt ( Abbildungen 12, 13 ).






Abb. 13: Pumpenansaugrohr aus dem Boden unter der abgerissenen Gastwirtschaft Busche

Baumstämme im Seitenprofil einer Baugrube. Während einer im Mai 1984 erfolgten Baustellenbeobachtung an der Münsterstraße ( gegenüber dem Haus Lammert ) waren Baumstämme in einer dunklen humosen Bodenschicht zu sehen. Die Stämme lagen etwa 200 bis 250 cm unter Flur. Es zeigte sich eine deutliche Schichtenfolge ( von oben ): Kulturboden 80 bis 100 cm, heller Sand 60 cm, humoser Boden mit Sandeinschwemmungen und Baumstämmen 50 cm, darunter blaugrauer Boden im Grundwasserbereich ( Abbildungen 14, 15 ).
Auf Anfrage ist zu den Baumstämmen vom Geologischen Landesamt Nordrhein-Westfalen in Krefeld u. a. folgendes mitgeteilt worden ( Dr. Staude ): "Mit hoher Wahrscheinlichkeit hat die Baugrube eine holozäne Talauenablagerung erschlossen, die als junge warmzeitliche Bildung maximal 10 000 Jahre alt sein kann" 13.





Abb. 14: Baumstämme in dunkler Bodenschicht einer Baugrube an der Münsterstraße, Blick nach Westen






Abb. 15: Profil einer Baugrube an der Münsterstraße, unterschiedliche Bodenschichten setzen sich deutlich voneinander ab, in der unteren dunklen Bodenschicht befinden sich Baumstämme, Blick nach Süden

Pfahlstümpfe im Seitenprofil einer Baugrube. Bei einer 1990 erfolgten Baustellenbeobachtung an der Münsterstraße ( gegenüber Haus Reher, Urkatasterparzellen 182/183 ) zeigten sich u. a. Pfahlstümpfe mit 5 bis 10 cm Durchmesser in einer dunklen humosen Bodenschicht. Über der Schicht befand sich Ziegelschutt. An der Stelle ist ein Dorfgraben zu vermuten ( Abb. 16 ).
Nach einer Beurteilung des Westfälischen Museums für Archäologie ( Dr. Ellger ) macht hier aber die weitgehende Störung eine einwandfreie Feststellung eines Grabens mit archäologischen Mitteln unmöglich 14.





Abb. 16: Pfahlstümpfe in der dunklen Bodenschicht einer Baugrube an der Münsterstraße, darüber starke Störung, Blick nach Süden

Rottonige Scherben waren 1991 in einer Baugrube für die Erweiterung des Altenheims zu entdecken. Sie stammen von Grapen und anderen Gefäßen und sind in den Anfang der Neuzeit zu datieren ( etwa 1500 bis 1700 ). Offensichtlich kommt das Material aus alten, nördlich bzw. westlich der Baustelle gelegenen Häusern.

Münzen. Von einigen Stellen des Kirchspiels liegen Meldungen über Münzfunde vor. Ein Schwerpunkt der Fundstellen befindet sich in den Pastorats- und Droste- Gärten. Die Münzjahre der zufälligen Einzelfunde liegen zwischen 1606 und 1840 15. Das Domkapitel ist als Münzstätte am häufigsten vertreten.

Wappen aus dem Vikarienhaus "Castrum Schonebeck". Der Wappenstein des Domherrn von Hake und Gründers der Vikarie St. Katharina auf Große Schonebeck befand sich bis zum Zweiten Weltkrieg im Kötterhaus Eidhoff auf dem ehemaligen Platz der Vikarie. Als Gründungsjahr der Vikarie wird 1528 genannt. Der Wappenstein wurde nach Angaben von Bewohnern der ehemaligen Vikarie in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, spätestens aber 1940, auf Veranlassung von Pfarrer Lücke in das Dorf Senden gebracht 16 und kam in das Wirtschaftsgebäude des Pastorats. Nach Abbruch des Wirtschaftsgebäudes Anfang der 1980er Jahre gelangte der Stein in das Haus des Freiherrn Droste zu Senden ( Holtrup Nr. 7 ).
Auf den Stein sind zwei Wappen dargestellt. Ein Wappen beinhaltet u. a. einen vierlätzigen Turnierkragen ( im Wappenbuch des Westfälischen Adels von Max v. Spießen als Brücke bezeichnet ). Die Ritter von Sendene ( Senden ) führten ebenfalls einen solchen Turnierkragen ( Brücke ) als Wappen. Eine Verwechslung ist daher leicht möglich.
Auf Haus Große Schonebeck hat der münstersche Domdechant Heinrich von Hake, der die Burg lebenszeitlich als Pfründe innehatte, eine Kapelle gestiftet. Seine Familie führte als Wappen einen goldenen Schild mit einem schwarzen Kreuz. Auf dem Stein ist neben diesem Wappen mit dem goldenen Schild auch das Wappen des Geschlechtes Morien mit dem vierlätzigen Turnierkragen (Brücke, vgl. Spießen) platziert ( Abb.17 ). Der Vater des Stifters war mit Adelheid von Morien verheiratet 17 . Es handelt sich um ein Allianzwappen.






Abb. 17: Eine Hälfte des Wappensteins aus der Vikarie St. Katharina auf Große Schonebeck ( Wappen Morien, Nordkirchen )

Nach dem Tode Heinrichs von Hake ( 1537 ) kamen seine Pfründe Große Schonebeck über den Domkapitular Sander von Morien um 1552 an den Domkapitular Balthasar von Büren. Der Wappenstein Hake-Morien stammt somit offensichtlich aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts.

Türangelstein. Außerhalb des Dorfes fand sich auf dem Hof Schulze Messing ein Türangelstein aus Granit 18. Er diente als Unterlage für einen senkrecht stehenden Balken der sich beim Öffnen oder Schließen einer Tür bewegte. Ein solches System war sicherlich auch in Häusern im Dorf anzutreffen.

Galgen. Im Zusammenhang mit dem Dorf ist auch der Platz des Galgens zu nennen. Der Standort konnte aus Unterlagen der Gemeinheitsteilung Ventruper-Heide mit der Unterabteilung Mönking-Heide genau bestimmt werden. Er befindet sich mit der Bezeichnung "Galgenknapp" unmittelbar nördlich der alten Gaststätte Scheipers, Haus Nr. 26 ( heute Unger ) an der früheren Landstraße Nr. 6 ( heute B 235 ). Die Entfernung bis zur Kirche im Dorf beträgt etwa 2 000 Meter. Das Gelände ist einplaniert und wird als Acker genutzt. Eine archäologische Feldbegehung im Frühjahr 2000 verlief ohne besondere Aufschlüsse 19.
Möglicherweise gab es weitere Richtstätten in der Dorfumgebung. In der Nähe des Hofes Schulze Austrup ( Ostendorp ) ist im Urkataster von 1826 eine Parzelle "Hügel" ausgewiesen 20. Ob auf dem Hügel ein Galgen stand ist wohl nicht mehr auszumachen. Die Umgebung des Hofes ist durch den Kanalbau stark gestört.




4. Potenzielle Stellen für archäologische Beobachtungen

Weitere archäologische Untersuchungen im alten Dorfbereich können noch eine Aufgabe nachfolgender Generationen sein. Aus heutiger Sicht bedürfen vor allem folgende Plätze einer besonderen Aufmerksamkeit.
  1. Der noch weitgehend unbebaute Bereich unmittelbar östlich des Grundstücks vom Geschäftshaus Brox. Mindestens ein Graben kann hier noch weiter verfolgt werden. ( Flur 24, Flurstück 30 )
  2. Der Bereich um das VHS - Gebäude ( ehemalige Gemeindeverwaltung ) und um die Turnhalle ( Flur 24, Flurstück 1791 ).
  3. Der Bereich Pfarrzentrum. Unter dem Pfarrheim sind Spuren von Pfosten und Gräben erhalten geblieben ( Flur 24, Flurstück 1774 ).
  4. Unbebaute Bereiche um die Brennerei Palz einschließlich des Wohngebäudes ( Flur 24, Flurstücke 1767, 1768 und 1522 ).
  5. Der Bereich um die Biete ( Flur 24, Flurstück 1831 ).



5. Resümee

Eine kontinuierliche Besiedlung des alten Dorfkernes von Senden ist archäologisch seit dem frühen Mittelalter nachzuweisen. Von einem Dorf kann wohl zu der Zeit noch nicht gesprochen werden. Die von Tibus in seiner Gründungsgeschichte genannte "Curtis Sendene" stand auf dem Platz der heutigen katholischen Kirche21. Spuren dieses Haupthofes waren 1978/79 während einer Grabung am Pfarrheim zu entdecken. Nach dem Alter des Keramik-Fundgutes existierte hier etwa ab 700 nach Chr. ein Hof. Es muss demnach ein Sachsenhof gewesen sein.
Offensichtlich gab es zur Zeit des frühen Mittelalteralters im Dorfbereich noch weitere Ansiedlungen ( Höfe / Wohnplätze), dies ergibt sich u. a. aus den Keramikfunden auf der Baustelle für das Betriebsgebäude Brox.
Die ersten schriftlichen Hinweise auf Senden tauchen um 890 in einem Urbar des Klosters Werden auf. Die Kirchengründung durch den Bischof in Münster erfolgte aber später und wird für die Jahre um 1050 angesetzt 22. Erst nach der Kirchengründung entwickelte sich mit der Ansiedlung sogenannter "Wörtner" ein Dorf. 1545 zählte man 21 Wortstätten 23.
Der Einfluss des Adels auf die Dorfentwicklung ist archäologisch schwer zu fassen. Unmittelbar südlich des Dümmers befand sich im hohen Mittelalter die Burg der Ritter von Sendene ( vgl. Grabungsbericht Palz ). Später wurde der Sitz nach Haus Bennekamp, dem heutigen Schloss verlegt. Um 1400 übernahm das Geschlecht Droste ( später Droste zu Senden ) den Besitz. Die Freiherren Droste zu Senden haben sowohl als Grundherren als auch mit ihren Verbindungen zum Bischof und zur örtlichen Kirche das Geschehen im Dorf mitbestimmt. Über die Einwirkungen der Herren von Rorup auf das Dorf ist kaum etwas bekannt. Ihre Burg befand sich am Westufer der Stever ( vgl. Grabungsbericht Haus Rorup ).
Bemerkenswert ist der Standort der Kirche. Die Kirche St. Laurentius am Dümmer mit den anschließenden Wohnstätten befindet sich genau in der Mitte des Kirchspiels mit den gerodeten Ländereien, Weiden und Wäldern. Offensichtlich hat man die der Pfarre Senden zugeordneten Bauerschaften so abgegrenzt, dass eine zentrale Lage des Kirchengebäudes entstand. Im späten Mittelalter wurde der Flächenkomplex des Kirchspiels mit Landwehren umschlossen. Stellenweise sind die Wälle heute noch erhalten.
Wald lieferte für die Bevölkerung des Mittelalters u. a. den besonders sehr wichtigen Rohstoff Holz, vor allem für bauliche Anlagen. Genannt seien hier die entdeckten Pfostenhäuser, Brunneneinfassungen und Wasserleitungen.


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6. Anmerkungen:

  1. Klein, Joachim: Alte Siedlungsspuren im Ortskern von Senden. In: Geschichtsblätter des Kreises Coesfeld, 6. Jg. 1981.
  2. Klein, Joachim: Archäologische Beobachtungen zur Baugeschichte von Haus Rorup in Senden. In: Geschichtsblätter des Kreises Coesfeld, 8. Jg. 1983.
  3. Heimatverein Senden e.V. - Archäologischer Arbeitskreis: Bericht über die Grabung "Wortkämpe" ( Ravenuhle ) in Senden. Senden 1988 / 89.
  4. Schellhas, Uwe: Eine hochmittelalterliche Hofwüstung im Neubaugebiet "Schlossfeld", Gemeinde Senden - Zum Stand der archäologischen Ausgrabungen im Februar 1995. Winkler, Stephan: Die Ausgrabung der mittelalterlichen Hofwüstung im Neubaugebiet "Schlossfeld" in Senden - Die Schlussphase Februar bis August 1995. In: Geschichtsblätter des Kreises Coesfeld, 20. Jg. 1995.
  5. Heimatverein Senden e.V. - Archäologischer Arbeitskreis: Bericht über die Sondierung und Grabung Palz in Senden. Senden April 2001.
  6. Klein, Joachim: Der Galgen in Senden. In: Geschichtsblätter des Kreises Coesfeld, 25. Jg. 2000.
  7. Heimatverein Senden e.V. ( Hrsg. ): 50 Jahre Heimatverein Senden. Senden 1998.
  8. Paläontologisches Museum in Münster. Beschreibung durch einen Mitarbeiter des Institutes, 1975 / 76.
  9. Westfälisches Museum für Archäologie, Az. 4110, 29 - 2, Münster 1983.
  10. Lammers: Archäologischer Befund im alten Pastoratsgebäude in Senden, Lette 1981.
  11. Westfälisches Museum für Archäologie, Az. 4110, 29 - 1, Münster 1983.
  12. Pfarramt / Pfarrkomitee: Festschrift 100jähriges Kirchenbaujubiläum, Pfarrkirche St. Laurentius in Senden, 1873 - 1973.
  13. Geologisches Landesamt Nordrhein-Westfalen: Schreiben vom 02.05.1985 ( Dr. Staude ), Krefeld 1985.
  14. Westfälisches Museum für Archäologie: Schreiben vom 30.01.1991 ( Dr. Ellger), Az. 72/1991, Münster 1991.
  15. Westfälisches Museum für Kunst- und Kulturgeschichte: Beurteilung Dr. Ilisch.
  16. Nach mündlicher Auskunft von Bewohnern der ehemaligen Vikarie ( Ahlmer / Eidhoff ), 2001.
  17. Lückmann, Rudolf: Stiftung St. Katharina auf Große Schonebeck, S. 179 f. In: Freese, Werner und Wermert, Christian ( Red. ). Eine Geschichte der Gemeinde Senden mit Ottmarsbocholt, Bösensell und Venne. Senden 1992.
  18. Nach mündlicher Auskunft von M. A. Walter Finke.
  19. Vgl. Nr. 6.
  20. Urkataster von 1826, Gemeinde Senden, Karte der Flur XV, Potthoff.
  21. Tibus, Adolph: Gründungsgeschichte der Stifte, Pfarrkirchen, Klöster und Kapellen im Bereich des alten Bistums Münster. Münster 1867.
  22. Schwieters, Julius: Geschichtliche Nachrichten über den westlichen Theil des Kreises Lüdinghausen, Münster 1891.
  23. Löffler, Peter: Aus der Ortsgeschichte von Senden, S. 9. In: Vgl. Nr. 12.

Fotos: Joachim Klein

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