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Überschrift Geschichte Sendens

    50.-70.000 v. Chr. wurde in der Dorfbauerschaft ein Faustkeil aus der mittleren Altsteinzeit gefunden. Er ist das älteste Zeugnis für eine Besiedlung auf dem Sendener Territorium.

    9.500-5.500 v.Chr. hat der archäologische Arbeitskreis weitere Bodenfunde aus der Mittelsteinzeit entdeckt, die durch vermehrte Funde aus der Jungsteinzeit 5.500-1700 v. Chr. die Besiedlungsvorkommen im Sendener Raum erhärten.

    700 n. Chr. wurden bei Grabungen im Ortskern und in den heutigen Randgebieten diverse Keramikscherben gefunden, die bezeugen, dass eine kontinuierliche Besiedlung zwischen Stever und Dümmer vorhanden war.

    890 ist die erste urkundliche Erwähnung "Sendinaons" im Heberegister (Urbar) im Kloster Werden an der Ruhr, heute einem Stadtteil von Essen. Es sind die Steuerlisten des Bischofs Luidger von Münster. Das Kloster Werden diente dem ersten Bischof von Münster als Verwaltungszentrum. Dieses Dokument des Grundherren dieser Region ist die "Geburtsurkunde" vieler münsterländischen Gemeinden und befindet sich heute im Staatsarchiv in Düsseldorf. Schon damals sind einige Höfe erwähnt, die Namenspatrone der heutigen Bauernschaften Gettrup, Schölling, Holtrup, Bredenbeck, Wierling sind. Hinzu kommt noch die Dorfbauerschaft.

    Sendinaon, der mittelhochdeutsche Name für Senden bedeutet so viel wie "freier Platz" , oder "auf einem Sandhügel liegend". Siehe hierzu auch den Aufsatz von Dr. Peter Illisch.

    um 1000 kommen die Güter um Senden direkt in den Besitz des Bischofs von Münster.

    1050 wird die Errichtung einer ersten Kirche mit einer handwerklichen Dorfgemeinschaft nachgewiesen.

    1331 wird Senden der Sitz eines Go-Gerichts. Es ist die unterste Gerichtsinstanz die zeitweilig auch für die Blutgerichtsbarkeit zuständig war und ihren Sitz auf Groß Schonebeck in Wierling hatte. Es war das dritte Gericht dieser Art neben Dülmen und Hastehausen für den Stevergau. 1663 fiel diese Gerichtsbarkeit an das Domkapitel in Münster zurück.
    Seit dem 16. Jh. bis zur Säkularisation ist das Geschlecht der Droste-zu-Senden auf Haus Senden als Verwalter des Domkapitels von Münster tätig. Danach sind sie selbst die Grundherrn.
    Droste ist ein mittelalterlicher Titel im damaligen niedersächsischen Raum. Er war der Verwalter des Grundherrn und ist abgeleitet von dem Wort Truchsess, der zum Adelsstand gehörte.

    1566-1609 Im spanisch-niederländischen Krieg (1566 - 1609) hatte Senden schwer zu leiden. 1587 wurden die eindringenden Spanier in Senden von Bauern überfallen. Die Spanier rächten sich daraufhin grausam und äscherten das ganze Dorf ein. Das abgebrannte Senden kam auch danach nicht zur Ruhe. Im Jahre 1591 musste es die Plünderungen der niederländischen Generalstaaten über sich ergehen lassen. Auch der 30jährige Krieg (1618 - 1648) hinterließ tiefe Spuren. Die zweite Kriegshälfte war wohl die schlimmste Zeit für die Menschen in Senden. Der Landgraf von Hessen besetzte weite Teile des Münsterlandes. Die Bevölkerung verarmte durch viele Kontributionen, Einquartierungen und Repressalien. Die Ländereien konnten von den Bauern nicht mehr ordnungsgemäß bewirtschaftet werden, Vieh stand kaum noch in den Ställen. Auch das Schloss wurde durch hessische Soldaten geplündert. 1640 wurden von 87 steuerpflichtigen Höfen in Senden 58 als wüst (verlassen) oder verlaufen bezeichnet. Nach Kriegsende 1648 erholte sich langsam auch die ländliche Bevölkerung, die verlassenen Hofstellen konnten meistens wieder besetzt werden.
    Die Wohnplätze im Dorf, "Wortstätten" genannt, bildeten den ältesten Teil des bebauten Ortskerns. Im Jahre 1545 zählte man 21 Wohnstätten, deren Besitzer das "Weltgeld" (eine Art Erbpacht) an die Kirche als ihre Grundherrschaft zu entrichten hatten. Mit der weiteren Dorfentwicklung erhöhte sich die Zahl der Wörtner und der Hausstellen. Im Jahre 1768 wurden im Dorf 120 Häuser registriert, die in der großen Mehrzahl noch strohbedeckt waren. Es entstanden Handwerksbetriebe, Gaststätten und kleinere Geschäfte. Der bebaute Bereich dehnte sich nach Norden und Süden aus. Die zentrale Funktion des Dorfes zeichnete sich nun deutlich ab. Ihre Bewohner hielten in den meisten Fällen noch Vieh und bewirtschafteten für den Eigenbedarf Ackerflächen und Gärten.

    1593 stiftete Heidenreich Droste zu Senden die 1. Schule in Senden.

    1624-65 wütete die Pest. Eine Quarantänestation in Mitten des Ortes ( um die heutige Eintrachtstraße), der Klapperhagen, sollte die Bewohner vor einer Verbreitung dieser Seuche schützen. Der Name rührt von den Klappern her, die die "Bewohner" betätigten, um mit den Dörflern in Kontakt zutreten.

    1707 werden in der Gewerbeliste u.a. 12 Schumacher, 10 Leineweber, 12 Schneider von insgesamt 58 Gewerbetreibenden aufgeführt.

    1749 zählte man in Senden 1.794 Einwohner. Davon lebten nur 567 im Dorf, während die übrigen sich auf die Bauernschaften verteilten.

    1780 wird die Brennerei Stegehaus gegründet, die im 19. Jh. von Palz übernommen wird und bis 1999 den Markenkorn "Sendsken Wind" herstellt. 1852 beginnt Brüggemann als zweite Brennerei mit seiner Produktion. Das ehemalige Verwaltungsgebäude wird heute noch am Laurentiusbrunnen als Geschäftshaus genutzt.

    1811-13 war Senden "zweigeteilt". Am 03. August 1802 kam Senden zu Preußen. Das Fürstbistum Münster hatte somit als Staat aufgehört zu bestehen. Nachdem 1806 Napoleon das Münsterland besetzt hatte, entstand am Dümmerfluss vom Februar 1811 bis November 1913 die Grenze zwischen dem kaiserlichen Frankreich und dem Großherzogtum Berg. Am Dümmerufer im Dorf, nur wenige Meter von der Kirche entfernt, setzte man den Grenzpfahl Nr. 7 mit den "Kaiserlichen Adlern".

    1820 erhält die Herrenstraße, die Straße auf der u.a. die Herren von Münster zu St. Laurentius gingen, ihr erstes Pflaster.

    1839 öffnet die erste Apotheke der Familie Schulte in Senden ihre Tore.

    1841 erhält der aufstrebende Ort auch eine Postagentur.

    1842 macht die Geschäftstätigkeit im Dorf eine Feuerwehr und auch eine Unterkunft für Gesetzesbrecher erforderlich. Beides findet im neuen Spritzenhaus an der Münsterstraße seine Verwirklichung.

    1846 wird der Friedhof um die im 15. Jh. errichtete spätgotische Kirche zu klein und man bestattet seine Toten auf dem "Wünnings Kamp", dem heutigen St. Laurentius Friedhof.

    1855 wurden Lüdinghausen als Sitz der preußischen Kreisverwaltung und die Provinzialhauptstadt Münster mit eine Chaussee verbunden und damit war Senden auch über eine feste Straße erreichbar.

    1864 erblickt der spätere Künstler und Bildhauer Prof. Wilhelm Haverkamp am 4.3. das Licht der Welt. Seine Werke sind heute noch in Senden, Berlin, im Münsterland und in Solingen zu sehen. Er stirbt 1924 in Berlin und wird auf dem Friedhof in Senden beigesetzt.

    1873 wird der spätere Bildhauer Alexander Frerichmann in Senden geboren. Seine meist sakralen Werke sind im gesamten Münsterland - so auch in der St. Laurentiuskirche - noch heute zu sehen. Er starb 1960 in Senden.

    1881 lässt das aufstrebende Bürgertum den Ruf nach einer höheren Bildungseinrichtung laut werden. So beginnt die erste Rektoratsschule (Realschule) in diesem Jahr mit dem Unterricht.

    1888 erhält die ländliche Gemeinde Senden bereits sehr früh seine Straßenbeleuchtung.

    1895-98 wird nach 20jähriger Bauzeit der mitten durch Senden führende Dortmund-Ems-Kanal fertiggestellt. Die Verbindung von Dortmund zur Nordsee (Emden) wurde erforderlich, um das Erz aus Skandinavien zur Kohle ins Ruhrgebiet zur Stahlproduktion zu transportieren. Des weiteren ist diese Wasserstraße eine Verbindung über den Mittellandkanal bis zur Havel (Berlin)und Oder (Stettin) sowie zur Elbe und Moldau (Prag) und damit eine der wichtigsten künstlichen Wasserstraßen Europas.
    Die geschickt in die Landschaft eingefügte und mit beiderseitigen Wanderwegen (den früheren Leinpfaden) versehene Wasserstraße hat neben ihrer wirtschaftlichen Bedeutung für Senden und seine Besucher heute eine wichtige Erholungsfunktion.

    1905 wird das St. Johannis-Hospital eingeweiht, das bis 1974 die Kranken versorgt und für viele der Geburtsort wurde. Inzwischen ist es für viele Senioren aus Senden zu einem neuen zu Hause im dritten Lebensabschnitt geworden.

    1914-1918 hat der I. Weltkrieg 82 Sendener Soldaten das Leben gekostet.

    1930 wird der "Sendener Verkehrs und Verschönerungsverein" gegründet. Er ist der Vorläufer des heutigen Heimatvereins Senden.

    1931-33 wird bei der Mühle von Schulze-Bremer das erste Freibad mit Wasseranbindung an die Stever gebaut. Durch diese Investition können fast alle damaligen Schulabgänger schwimmen.

    1934 wird der Reichsarbeitsdienst am alten Sportplatz an der Holtruper Straße in Baracken einquartiert. Er wird u.a. zur Verbreiterung des Dortmund-Ems-Kanals eingesetzt.

    1939-45 fordert der II. Weltkrieg einen hohen Tribut unter der Sendener Bevölkerung. Die Einwohnerzahl verringert sich in diesen Jahren von 2.834 auf 2.748. Insgesamt verlieren über 530 Personen in den Sendener Ortsteilen ihr Leben.

    1946 registriert das Einwohnermeldeamt 1.294 Vertriebene und Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten und Mitteldeutschland. Damit ist jeder dritte Einwohner von Senden ein "Neubürger" für den ein Dach über dem Kopf und Verpflegung organisiert werden musste. Eine fast unlösbare Aufgabe der damaligen Amtsverwaltung.

    1955 finden die überwiegend evangelischen Christen unter den Flüchtlingen ihre neue religiöse Heimstatt in der neu errichteten Friedenskapelle am Grünen Grund. Bis dahin feierten sie ihre Gottesdienste im Saal der ehemaligen Gaststätte Busche an der Münsterstraße. 1992 wurde dann für 2.534 evangelischen. Christen aus Platzmangel ein neues Gemeindezentrum auf den "Steverwiesen" errichtet und eingeweiht. Die ehemalige Friedenkapelle ist nun Wirkungsstätte der Sendener Kunst und Kulturinitiative (KuKis).

    1960 belebt der neue Gemeindedirektor Konrad Potts u.a. die rege Bautätigkeit. Er erkennt die gestiegene Mobilität der Bürger und nutzt durch die Erschließung neuer Baugebiete, so dass die in Münster oder im Ruhrgebiet arbeitende Sendener Bevölkerung wohnen bleiben kann. Die seit 1961 bis Mitte der siebziger Jahre durchgeführte Ortskernsanierung macht die Gemeinde als Einkaufsort attraktiver. Die Neubauten im Kindergarten-, Schul- und Sportwesen lassen Senden für viele junge Familien zu einer ersten Adresse werden.

    1975 verbindet die kommunale Neugliederung die früher selbstständigen Gemeinden Bösensell und Ottmarsbocholt mit Senden. Auf diese Weise realisiert sich der lang gehegte Wunsch nach einem Bahnanschluss. Dieser an der Hauptstrecke Münster-Dülmen-Wanne seit 1898 bestehende und etwa sieben Kilometer vom Ortskern Senden entfernt liegende Bahnhof, wurde seit Anbeginn auch von den Sendenern benutzt und ist neben der modernen Busverbindung nach Münster und der Autobahn eine der Vorrausetzungen für den wirtschaftlichen Aufschwung.


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